Hätten Sie es gewusst?

Arbeiten trotz Arztzeugnis?

Fra­ge: Als Teil­zeit­an­ge­stell­te arbei­te ich vier Stun­den täg­lich in einem grös­se­ren Betrieb. Auf­grund gesund­heit­li­cher Lei­den hat mir mein Haus­arzt ein Zeug­nis aus­ge­stellt, in wel­chem er mich zu 50% krank­schreibt. Mein Chef ver­langt von mir aber trotz­dem, dass ich wei­ter­hin die ver­ein­bar­te Arbeits­zeit lei­ste. Darf er das?

Ant­wort: Ja. Grund­sätz­lich soll – und darf – der Arbeit­neh­mer von der Arbeit fern­blei­ben, wenn dies auf­grund einer gesund­heit­li­chen Beein­träch­ti­gung gebo­ten ist. 

Um zu bewei­sen, dass man tat­säch­lich krank war und nicht ein­fach blau­ge­macht hat, emp­fiehlt sich ein Arzt­zeug­nis. Da der Arbeit­ge­ber von Geset­zes wegen ver­pflich­tet ist, die Gesund­heit der Ange­stell­ten zu schüt­zen, darf er sich nicht ein­fach über ein sol­ches Arzt­zeug­nis hin­weg­set­zen. Wenn der Arbeit­ge­ber die Rege­lung in einem ärzt­li­chen Attest miss­ach­tet und den Arbeit­neh­mer trotz­dem län­ger ein­teilt, darf die­ser die Arbeit verweigern. 

In Ihrem Fall hat Sie Ihr Arzt jedoch nur zu 50% krank­ge­schrie­ben. Nor­ma­ler­wei­se bezieht sich die Krank­schrei­bung auf ein vol­les Pen­sum, wel­ches in der Regel acht bis neun Stun­den Arbeit täg­lich bedeu­tet. Dem­entspre­chend wäre es Ihnen pro­blem­los mög­lich, vier Stun­den pro Tag zu arbei­ten. Lei­der ist dem Arzt in die­sem Fall ein klei­ner Feh­ler unter­lau­fen. So woll­te die­ser näm­lich zum Aus­druck brin­gen, dass Sie nur 50% Ihres jet­zi­gen Teil­zeit­pen­sums erfül­len kön­nen. Dies ent­spricht einer täg­li­chen Arbeits­zeit von etwa zwei Stun­den. Sie soll­ten den Arzt bit­ten, ein genaue­res Zeug­nis aus­zu­stel­len und die­ses nach­fol­gend dem Arbeit­ge­ber zukom­men lassen. 

Gut zu wis­sen: Bei gan­zer oder teil­wei­ser Arbeits­un­fä­hig­keit sind Sie – je nach Län­ge des Arbeits­ver­hält­nis­ses – 30 bis 180 Tage vor einer Kün­di­gung geschützt. Wird eine sol­che den­noch in die­ser Peri­ode aus­ge­spro­chen, ist sie ungültig.

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