Zusammengefasst
extra für Sie
Zusammenfassungen » Vertragsrecht » Der Werkvertrag

Der Werkvertrag

Beim Werk­ver­trag schul­det der Unter­neh­mer ein bestimm­tes Ergeb­nis, das «Werk». Dabei reicht es nicht, wenn er bloss tätig wird, er schul­det einen Erfolg. Bei der Repa­ra­tur eines Autos muss die­ses wie­der fah­ren, bei einer Möbel­an­fer­ti­gung muss das Möbel die ver­ein­bar­ten Mas­se aufweisen.

1. Abschluss

Der Werk­ver­trag ist an kei­ne beson­de­re Form gebun­den und kann somit auch münd­lich abge­schlos­sen werden.

2. Werkmangel

Ein Werk­man­gel liegt vor, wenn dem Werk ver­ein­bar­te Eigen­schaf­ten feh­len. Sie müs­sen das Werk nach Ablie­fe­rung umge­hend prü­fen und Män­gel dem Unter­neh­mer mel­den. Ist das Werk man­gel­haft kön­nen Sie grund­sätz­lich zwi­schen den fol­gen­den 3 Mög­lich­kei­ten wählen:

  • Sie kön­nen die die Annah­me des Werks und die Lohn­zah­lung verweigern.
  • Sie kön­nen einen Preis­nach­lass verlangen.
  • Sie kön­nen ver­lan­gen, dass das Werk unent­gelt­lich ver­bes­sert wird.

Weicht das Werk so sehr vom Ver­trag ab, dass es für den Bestel­ler unbrauch­bar ist oder ihm die Annah­me nicht zuge­mu­tet wer­den kann (erheb­li­cher Man­gel), hat er das Recht, die Annah­me zu ver­wei­gern und bei Ver­schul­den des Unter­neh­mers Scha­den­er­satz zu for­dern. Dies gilt aber nicht bei Wer­ken, die auf dem Boden des Bestel­lers errich­tet wur­den und bloss mit unver­hält­nis­mäs­si­gen Nach­tei­len ent­fernt wer­den kön­nen. Bei min­der­er­heb­li­chen Män­geln kann der Bestel­ler nur eine Lohn­re­duk­ti­on und, sofern es kei­ne über­mäs­si­gen Kosten ver­ur­sacht, eine unent­gelt­li­che Nach­bes­se­rung verlangen.

Die Rech­te des Bestel­lers ent­fal­len, wenn er die Män­gel selbst ver­ur­sacht hat, indem er bei­spiels­wei­se aus­drück­li­che War­nun­gen vom Unter­neh­mer miss­ach­tet hat.

3. Vorzeitige Vetragsbeendigung

Solan­ge das Werk unvoll­endet ist, kann der Bestel­ler gegen Ver­gü­tung der bereits gelei­ste­ten Arbeit und gegen vol­le Schad­los­hal­tung des Unter­neh­mers (ent­gan­ge­ner Gewinn) jeder­zeit vom Ver­trag zurücktreten.

4. Rücktritt im Vertrag

In den fol­gen­den Fäl­len hat der Auf­trag­ge­ber die Mög­lich­keit, vom Ver­trag zurück­zu­tre­ten, ohne einen Werk­lohn bezah­len zu müssen:

  • Wird die unge­fäh­re Kosten­schät­zung ohne Ver­schul­den des Bestel­lers unver­hält­nis­mäs­sig über­schrit­ten, kann Letz­te­rer wäh­rend oder nach Been­di­gung des Auf­trags vom Ver­trag zurück­tre­ten. Ist das Werk auf dem Grund­stück des Bestel­lers errich­tet wor­den, kann der Werk­lohn her­ab­ge­setzt werden.
  • Ist der Unter­neh­mer so sehr im Rück­stand, dass die recht­zei­ti­ge Voll­endung nicht mehr mög­lich ist, kann der Bestel­ler — ohne den Lie­fe­rungs­ter­min abzu­war­ten — vom Ver­trag zurücktreten.
  • Lässt sich wäh­rend der Aus­füh­rung des Wer­kes eine man­gel­haf­te oder sonst ver­trags­wid­ri­ge Erstel­lung vor­aus­se­hen, kann der Bestel­ler eine ange­mes­se­ne Frist zur Abhil­fe anset­zen mit der Andro­hung, dass im Unter­las­sungs­fal­le die Ver­bes­se­rung oder die Fort­füh­rung des Wer­kes auf Gefahr und Kosten des Unter­neh­mers einem Drit­ten über­tra­gen wird.
  • Wenn das Werk durch Zufall vor der Über­ga­be unter­geht, hat der Unter­neh­mer in der Regel die Kosten für die Her­stel­lung und sei­nen Auf­wand selbst zu tragen.

Wird es dem Bestel­ler durch Zufall unmög­lich das Werk anzu­neh­men, trägt er den­noch die Aus­la­gen und die Kosten für die Her­stel­lung. Hat der Bestel­ler die Unmög­lich­keit ver­schul­det, ist er dem Unter­neh­mer zudem für wei­te­ren Scha­den (ent­gan­ge­ner Gewinn) ersatzpflichtig.

5. Rügepflicht

Nach der Ablie­fe­rung des Werks, hat der Bestel­ler die Pflicht, das Werk zu prü­fen und all­fäl­li­ge Män­gel dem Unter­neh­mer umge­hend zu mel­den. Die Prü­fung ist umge­hend “sobald es nach dem übli­chen Geschäfts­gan­ge tun­lich ist” vor­zu­neh­men. Unter­lässt er dies, gilt das Werk als geneh­migt und der Unter­neh­mer ist von sei­ner Haf­tung befreit.

6. Mängel am gelieferten Stoff

Wird der Stoff vom Unter­neh­mer bereit­ge­stellt, haf­tet er für die­sen wie ein Ver­käu­fer. Lie­fert der Bestel­ler den Stoff, haf­tet er für die Schä­den, die durch sei­nen Stoff ent­ste­hen. Der Unter­neh­mer hat den Stoff sorg­fäl­tig zu behan­deln und dem Bestel­ler umge­hend zu mel­den, wenn Män­gel auf­tau­chen, wel­che die Aus­füh­rung des Wer­kes gefähr­den. Unter­lässt er dies, haf­tet er für die Fol­gen, die dar­aus entstehen.

7. Werklohn

Der Lohn des Unter­neh­mers ist bei Über­ga­be des Werks zu bezah­len. Bei Teil­wer­ken ist die Bezah­lung in Tei­len bei Ablie­fe­rung der ent­spre­chen­den Tei­le zu bezahlen.

Wur­de die Ent­löh­nung in Vor­aus genau bestimmt (Pau­schal­preis), hat der Unter­neh­mer kein Anrecht auf Mehr­ko­sten, auch wenn die Aus­la­gen grös­ser waren als vor­ge­se­hen. Sind jedoch aus­ser­or­dent­li­che Umstän­de ein­ge­tre­ten, die unvor­her­seh­bar waren oder von den Par­tei­en zuvor aus­ge­schlos­sen wur­den und die Fer­tig­stel­lung über­mäs­sig erschwe­ren, kann der Rich­ter eine Preis­er­hö­hung bewil­li­gen. War die Her­stel­lung des Wer­kes weni­ger kosten­träch­tig als zuvor ange­nom­men, hat der Bestel­ler den­noch den vol­len Preis zu bezahlen.

8. Kostenvoranschlag (ungefährer Kostenansatz)

Über­schrei­tet der Unter­neh­mer den unge­fäh­ren Kosten­an­satz über­mäs­sig (Faust­re­gel: mehr als 10%), kann der Bestel­ler bei beweg­li­chen Wer­ken vom Ver­trag zurück­tre­ten. Dabei ver­liert der Bestel­ler den Anspruch auf das Werk, wäh­rend der Unter­neh­mer kei­ne Ver­gü­tung ver­lan­gen kann.

Bei Bau­wer­ken, die auf Grund und Boden erstellt wer­den, hat der Bestel­ler fol­gen­de Wahlrechte:

a) Herabsetzung des Werklohnes

Den Umfang der Reduk­ti­on bestimmt der Rich­ter nach frei­em Ermes­sen, wobei der vom Bestel­ler gefor­der­te Werk­lohn i.d.R. um die Hälf­te der Dif­fe­renz zwi­schen dem gefor­der­ten Lohn und dem vom Bestel­ler zu tole­rie­ren­den Betrag her­ab­ge­setzt wird.

b) Rücktritt

Wählt der Bestel­ler den Rück­tritt, so hat er «bil­li­gen Ersatz» für die «bereits aus­ge­führ­ten Arbei­ten» zu lei­sten. «Bil­li­ger Ersatz» bedeu­tet, dass die aus­ge­führ­ten Arbei­ten und die ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen voll zu ver­gü­ten sind. Die Ver­gü­tungs­pflicht besteht jedoch nur inso­weit, als das teil­wei­se ver­wirk­lich­te Werk brauch­bar ist. Eine Pflicht zur Schad­los­hal­tung des Unter­neh­mers (ent­gan­ge­ner Gewinn) besteht nicht.

Scroll to Top