Hätten Sie es gewusst?

Darf ich im Vorstellungsgespräch lügen?

Fra­ge: In Ihrer Ant­wort letz­te Woche schrie­ben Sie, dass man beim Bewer­bungs­ge­spräch lügen darf. Wann genau ist dies der Fall? Und kann ich Vor­stra­fen oder eine bestehen­de Schwan­ger­schaft verheimlichen?

Ant­wort: Ja. Grund­sätz­lich müs­sen Fra­gen beim Vor­stel­lungs­ge­spräch voll­stän­dig und wahr­heits­ge­treu beant­wor­tet wer­den. Schliess­lich möch­te der Arbeit­ge­ber her­aus­fin­den, ob Sie die pas­sen­de Per­son für die freie Stel­le sind. Wer­den Ihnen aber zu per­sön­li­che Fra­gen gestellt, besteht tat­säch­lich ein sol­ches «Not­wehr­recht der Lüge». Von die­sem dür­fen Sie immer dann Gebrauch machen, wenn die gestell­te Fra­ge kei­nen Zusam­men­hang mit der Eig­nung für die Stel­le hat. Erlaubt sind Fra­gen nach der Aus­bil­dung, dem beruf­li­chen Wer­de­gang, den beruf­li­chen Zie­len oder nach Wei­ter­bil­dungs­plä­nen. Wei­ter zuläs­sig sind Erkun­di­gun­gen zu den Beweg­grün­den des Stel­len­wech­sels, einer aus­ser­ge­wöhn­lich lan­gen Stu­di­en­zeit oder Beschäf­ti­gungs­lücken. In der Regel kei­nen genü­gen­den Zusam­men­hang haben Fra­gen betref­fend Frei­zeit­ge­stal­tung, Wohn­si­tua­ti­on, sexu­el­ler Ori­en­tie­rung, poli­ti­scher Über­zeu­gung oder reli­giö­ser Ansicht. Auch gesund­heit­li­che Pro­ble­me müs­sen Sie nur preis­ge­ben, wenn die­se Sie an der ord­nungs­ge­mäs­sen Erle­di­gung der Arbeit hin­dern könn­ten. Bei Vor­stra­fen kommt es eben­falls auf die in Aus­sicht ste­hen­de Stel­le an. So darf ein Buch­hal­ter nach Ver­mö­gens­de­lik­ten und ein Chauf­feur nach Ver­kehrs­sün­den gefragt wer­den. Nicht erwäh­nen muss man eine Trun­ken­heits­fahrt, wenn man in einer Gärt­ne­rei ohne fah­re­ri­sche Tätig­keit ange­stellt wird. Erkun­di­gun­gen nach einer bestehen­den oder geplan­ten Schwan­ger­schaft sind nicht erlaubt. Eine Aus­nah­me liegt aber vor, wenn Sie die vor­ge­se­he­ne Arbeit wegen der Schwan­ger­schaft nicht aus­üben kön­nen (bspw. bei kör­per­li­cher Schwerarbeit).

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